… voller Knödel, Schotter, Regen und anderer völlig unnötiger Überraschungen
Es sollte eine ganz normale Motorradtour werden.
Also zumindest theoretisch.
Armin hatte geplant. Sein Chef hatte offenbar nicht ganz verstanden, dass Armins ausgeklügelte Präsenzzeit-Minimierungs-Strategie eigentlich ein hochkomplexes logistisches Meisterwerk war, und ihm den Urlaub verweigert. Also musste Ecki die ersten beiden Tage übernehmen.
Und damit nahm das Schicksal seinen Lauf, denn inzwischen wissen wir:
Wer mit Ecki fährt, landet früher oder später im Schotter.
Ganz egal, was im Tourplan steht. – Ganz egal, was das Navi sagt. – Ganz egal, ob die Straße eigentlich asphaltiert sein sollte.
Ecki findet den Schotter. Das ist keine Vermutung mehr. Das ist inzwischen wissenschaftlich hinreichend belegt.
Und so starteten wir voller Zuversicht in eine Tour, bei der wir anfangs ziemlich genau wussten, wo wir hinwollten. Spätestens nach der ersten ungeplanten Abzweigung wussten wir immerhin noch, dass wir irgendwo unterwegs waren.
Aber eines war von Anfang an sicher:
Es wurden Ängste überwunden, Premieren gefeiert und Geschichten produziert, die wir noch lange erzählen werden.
Ecki, der Schotterflüsterer. Wie bereits erwähnt, gilt seit dieser Tour ein unumstößliches Naturgesetz:
Wer mit Ecki fährt, landet im Schotter.
Dabei spielt es überhaupt keine Rolle, was ursprünglich geplant war. „Schotterfrei“ kann auf der Karte stehen, im Navi eingestellt sein oder vom Tourenplaner persönlich versprochen werden – Ecki findet ihn. Immer. Irgendwo. Und wenn keiner da ist, organisiert er vermutlich welchen. Für erfahrene Fahrer ist das natürlich kein Problem. Die fahren da einfach drüber, als wäre es das Normalste der Welt. Für andere Mitglieder der Truppe ist Schotter dagegen ungefähr so beliebt wie Glatteis mit Gegenverkehr.
Als Ecki mitten auf der Straße plötzlich anhielt, abstieg und Richtung Kolonnenende marschierte, war jedenfalls sofort klar: Da kommt etwas. Sein Gesichtsausdruck verriet alles. Und tatsächlich: Die Straße hatte sich in ein wunderschönes, strahlend weißes Schotterparadies verwandelt. Bei einem Mitglied der Truppe plumpste das Herz spontan in die Hose.
Schotter. Nicht ein bisschen. Nicht ein paar harmlose Steinchen am Straßenrand. Nein. Schöner, weißer, ausgewachsener Schotter. Offenbar hatte Ecki beschlossen, aus einer gemütlichen Motorradtour kurzerhand ein Enduro-Schnuppertraining für Triumph-Fahrer zu machen.Nach ein bisschen Überredung und sehr viel gutem Zureden wurde die kleine Triumph schließlich auf das Minen-… äh… Schotterfeld geschickt. Und siehe da: Sie fuhr! Zwar nicht unbedingt mit der Eleganz eines afrikanischen Wüstenprofis, aber sie fuhr. Gudi übernahm dabei dankenswerterweise die Rolle des persönlichen Fahrsicherheits-Coaches im Ohr. Mit kurzen, präzisen Ansagen, hilfreichen Tipps und vermutlich dem einen oder anderen Stoßgebet lotste sie die Triumph über die steinige Piste.
„Langsam.“ – „Blick nach vorne.“ – „Locker bleiben.“ – „Nicht bremsen.“ – „Weiter.“
Kurz gesagt: Gudi sprach. Die Triumph gehorchte. Und die Fahrerin versuchte, nicht zu sterben. Bis zur Kurve. Denn hinter der Kurve wartete die nächste Überraschung: tiefe Auswaschungen. Natürlich. Warum sollte es auch einfach werden? Die Schotterstrecke hatte offenbar einen kleinen Parcours vorbereitet. Wer hier durch wollte, musste nicht nur fahren, sondern gleichzeitig lenken, balancieren, vorausdenken und vermutlich einen Doktortitel in Geologie besitzen. Dank weiterer Fahr- und Blicktipps von Gudi wurde weder aufgegeben noch umgekippt. Die kleine Triumph kämpfte sich tapfer weiter – Stein für Stein, Auswaschung für Auswaschung. Und dann endlich:
Der Rest der Truppe!
Geduldig stand man vorne und wartete bereits. Vermutlich mit der Mischung aus Sorge, Erleichterung und der leisen Hoffnung, dass jetzt bitte nicht noch eine zweite Schotteretappe um die Ecke kommen möge. Aber nein. Es war geschafft! Der Schotter lag hinter uns. Die Nerven waren noch vorhanden. Die Triumph stand noch auf zwei Rädern. Und vermutlich hatten alle Beteiligten in diesem Moment eine neue Definition von „gemütlicher Motorradtour“.
Nach einer kurzen, leicht zittrigen Pause ging es schließlich weiter – auf ordentlichen, gepflegten und vor allem geteerten StraßenRichtung Fichtenranch.
Doch wer jetzt dachte, Ecki hätte seine Schottermission für beendet erklärt, kennt Ecki schlecht. Am nächsten Tag fand er gleich zweimal eine Schotterpiste. Und das Erstaunliche: Mit jedem Schotterstück wurde es besser! Was am ersten Tag noch für Herzstillstand und spontanes Umziehen der inneren Organe in die Hose gesorgt hatte, wurde langsam zur Routine. Vielleicht hatte Ecki also doch einen Plan. Vielleicht wollte er uns einfach nur weiterbilden. Vielleicht war das Ganze ein „Schotter-Fahrtraining by Ecki“, nur ohne vorherige Anmeldung und natürlich ohne dass irgendjemand davon wusste. Fest steht:
Wer mit Ecki fährt, landet im Schotter.

Links Schotter. Rechts Schotter. In der Mitte eine Triumph mit leicht erhöhtem Puls.
Aber man lernt dabei. Man wächst über sich hinaus. Man entwickelt neue Fähigkeiten. Und irgendwann fährt man tatsächlich über das Zeug und denkt: „Ach, Schotter. Na und?“ Bis Ecki die nächste Überraschung findet.

Chili con Carne – weil belegte Semmeln einfach zu wenig Abenteuer bieten
Fichtenranch – Chili statt Semmeln
An der Fichtenranch erwartete uns zunächst eine Nachricht, die ungefähr so viel Begeisterung auslöste wie eine weitere Schotterpiste:
Eigene Speisen und Getränke nicht erlaubt!
Unsere sorgfältig vorbereiteten belegten Semmeln waren damit offiziell arbeitslos. Doch Gudi wäre nicht Gudi, wenn sie sich damit zufriedengeben würde. Dank konsequenter Nachforderung, hartnäckigem Verhandlungsgeschick und vermutlich einer gewissen diplomatischen Schmerzfreiheit wurde schließlich doch etwas Warmes organisiert: Chili con Carne statt Semmeln.
Und natürlich blieb das nicht ohne Nebenwirkungen. Das Chili gingen eine Verbindung ein, die man durchaus als akustische Zusammenarbeit bezeichnen konnte.
Es gab Tönchen. – Kleine Tönchen. – Große Tönchen. – Und vermutlich auch Tönchen, über die wir hier aus Gründen des Jugendschutzes nicht weiter berichten sollten.
Immerhin: Dieses Mal blieb das dauernde „Ding Ding Ding“ unseres Mitfahrers aus. Und auch das Zelt stand sofort. Mit Heringen! Ein Meilenstein. Ein Durchbruch. Camping 4.0 war geboren.
Kaffee, bevor es offiziell Kaffee gab
Camping ohne Kaffee?
Unvorstellbar.
Noch bevor offiziell Frühstück war, wurde die Kaffeemühle bereits erbarmungslos gequält. Denn eine eiserne Regel gilt: Bevor der erste Kaffee im Becher ist, fährt hier gar nichts.
Nicht die Motorräder. Nicht die Menschen. Und das Gehirn schon gar nicht.
Während das Camp langsam erwachte, stellte sich außerdem heraus, dass manche Zelte über eine ganz besondere Komfortfunktion verfügten: Wasser marsch – direkt ins Schlafzimmer.
Beim Öffnen des Reißverschlusses schoss das Wasser nicht etwa nach draußen. Nein. Es nahm den direkten Weg ins Zelt.
Warum? Weil es kann.
Das neue Wassermanagement-System: Außen trocken, innen nass
Fahrspaß ohne Alpenpanorama
Wer behauptet, unspektakuläre Gegenden böten keinen Fahrspaß, hat vermutlich noch nie mit dieser Truppe eine Nebenstrecke befahren. Es braucht nicht immer spektakuläre Pässe, grandiose Panoramen oder berühmte Kurven.
Manchmal reichen:
- • gute Straßen,
- • eine flotte Gruppe,
- • schöne kleine Nebenstrecken
- • und Tourguides, die ungefähr wissen , wo es langgeht.
Und genau das hatten wir. Wobei „flott“ natürlich immer eine Frage der Perspektive ist. Für den einen: sportliches Tempo. Für den anderen: „Ich kann noch atmen.“
Und für Ecki vermutlich: „Ist da vorne Schotter?“
Wie funktioniert das nochmal mit dem Marshall?
Diese Szene darf in keinem Tourbericht fehlen. Stellte sich an mancher Stelle die Frage: Wo ist der Marshall? Stand er diesmal an passender Stelle und wurde übersehen. Gudi, ausgestattet mit ihrem ganz persönlichen Tunnelblick, fährt am eigentlich perfekt platzierten Marshall vorbei. Und was macht der Rest?
Natürlich: Hinterher. Was sonst? Motorradgruppen funktionieren schließlich nach einem sehr einfachen Prinzip: Wenn der Vordermann fährt, muss es richtig sein. Und so zog die Karawane brav am Marshall vorbei. Wie die Lemminge.
Irgendwann kam dann die Erkenntnis: Moment mal …
Ein Marshall steht wahrscheinlich nicht zufällig am Straßenrand. Die Frage „Wie funktioniert das nochmal mit dem Marshall?“ dürfte seit diesem Tag zum festen Bestandteil unseres Tourwissens gehören.
„Marshall gesichtet. Marshall ignoriert. Gruppe folgt. Lehrgang abgeschlossen.“
Kloster Weltenburg – Fährmann ade
Auch das Kloster Weltenburg stand auf dem Programm. Doch diesmal hieß es: Fährmann ade.
Die Donau hatte wegen der Trockenheit so wenig Wasser, dass die Fährüberfahrt inzwischen eher unter „Geduldsspiel“ fiel. Für uns lohnte sich das Übersetzen schlicht nicht.
Also: Planänderung.
Und als wäre das noch nicht genug, führte die Ausweichroute auch noch über eine eigentlich gesperrte Straße. Na, wer hat die Tour angeführt?
Eeeeeccckkiiiii!
Aber wir waren ja auf Motorradtour. Was sollte schon schiefgehen? Diese Frage hat uns übrigens schon mehrfach Probleme bereitet.
Drei Knödel gegen den Regen
Irgendwann mischte sich auch Petrus in die Tour ein. Nicht als freundlicher Gastgeber. Eher als unangemeldeter Mitfahrer mit schlechtem Charakter. Wir lernten: Regen kann man mit drei Knödeln überbrücken.
Allerdings nur, wenn man schneller isst, als die Wolken nachladen. Unser Regenabwehrkonzept war also grundsätzlich genial. Nur die technische Umsetzung ließ etwas zu wünschen übrig.
Auch der Besuch bei Käthi Bräu fiel dem Wetter zum Opfer. „Nix war’s.“ Der Regen war stärker als der Bierdurst.
Und wenn eingefleischte Motorradfahrer freiwillig auf ein Bier verzichten, ist eindeutig Alarmstufe Rot.
Die Nachzügler – und das Wetter im Gepäck
Während wir uns bereits tapfer durch die Tour kämpften, kamen Armin und Klaus als Nachzügler hinterher. Dafür hatten die beiden etwas anderes dabei:
Schlechtes Wetter.
Sie schickten es uns voraus. Sehr aufmerksam. Wirklich. Danke dafür.
Beim nächsten Mal vielleicht lieber Kuchen.
Klaus traf nach über 20 Jahren wieder auf Arist.
Eine Begegnung, die nach Drehbuch klingt. Zwei Menschen, Jahrzehnte getrennt – und dann führt sie ausgerechnet eine Motorradtour wieder zusammen. Romantischer geht es kaum. Nur die Filmmusik fehlte.
Tschechien – immer einen Abstecher wert
Tschechien ist immer einen Abstecher wert. Auch diesmal gab es wieder einiges zu entdecken. Im Böhmerwald trafen wir einen echten „Wunderheiler“, dessen Vorfahren angeblich sogar etwas mit Hans Zimmer zu tun hatten. Ob das medizinisch, musikalisch oder genealogisch korrekt war, konnte nicht abschließend geklärt werden.
Aber: Einige Motorräder mitsamt Reisegruppe auf seiner Weide für ein Kulissenfoto aufzustellen, war definitiv eine gute Idee.
Weiter ging es über den Spitzbergsattel zwischen Neuern und Markt Eisenstein. Und einmal mehr stellte sich die Frage:
Warum haben tschechische Orte eigentlich Namen, bei denen selbst die Rechtschreibkorrektur irgendwann kündigt?

Tschechien: Landschaft wunderschön. Ortsnamen: persönlicher Angriff auf die deutsche Rechtschreibung
Camping-Olympiade
Natürlich gab es auch diesmal wieder hochkarätige Camping-Disziplinen.
Disziplin 1: Powernapping
Eine Disziplin, die manche Teilnehmer offensichtlich bereits im Schlaf beherrschen.
Disziplin 2: Wer braucht eigentlich Minimalismus?
Armin jedenfalls nicht. Unser kleiner Armin hatte offensichtlich beschlossen:
Nicht für ein Wochenende verreisen – sondern auswandern.

Man beachte die Nahrungsergänzung im Vordergrund
Dabei natürlich: das komplette Equipment. Und selbstverständlich: ein Bierfass. Minimalismus sieht anders aus.
Wir nennen es: Arminismus.
Disziplin 3: Rotlicht
Auch das Rotlichtzelt durfte natürlich nicht fehlen. Und spätestens beim Ouzo-Staubsauger war endgültig klar:
Diese Tour war nicht ausschließlich eine Motorradtour. Es war ein kulturelles Austauschprogramm. Mit Alkohol. Und Staubsauger.

Tourplanung: Straße unklar, Wetter unklar, Feuerwerk garantiert
Das Feuerwerk – nur für uns?
Dann kam das Megafeuerwerk.
Die große Frage: War das eigentlich nur für uns? Oder waren da tatsächlich noch ungefähr 100 andere Menschen?
Wir wissen es bis heute nicht. Aber wir haben beschlossen: Es war für uns.
Schließlich muss man sich auf einer Tour auch mal etwas gönnen. Dachte sich Armin und hat keine Mühen gescheut, für uns, ein unvergleichliches Lichtspektakel am Himmel zu organisieren.
Kleine Missverständnisse auf der Rückfahrt
Auch die Rückfahrt hatte noch einige Überraschungen. Zum Beispiel diese eigenwillige Dehnübung zwischen Gudi und Micha. Eigentlich sollte das ja andersherum laufen.
Aber: Emanzipation ist auf dem Vormarsch.
Und dann war da noch die Sache mit dem Ramazzotti.
„Wo war jetzt gleich noch der Rest vom Ramazzotti?“ Kurzes Suchen. Blick durch die Gegend.
Noch einmal suchen. Enttäuschung, er war weg.
Und dann, am nächste Morgen, als ihn niemand mehr verköstigen durfte um die Fahrtüchtigkeit nicht zu gefährden: stand er unübersehbar auf dem Tisch und wartete auf uns.
Man muss halt wissen, wo man suchen muss.
Das große Finale: Eis in Bad Ditzenbach
Nach all diesen Strapazen gab es eigentlich nur noch eine vernünftige Lösung: Eis.
Und so ging es zum großen Finale nach Bad Ditzenbach. Cremig. Kalt. Lecker. Und genau das Richtige nach einer Tour mit:
Regen, Sonne, Schotter, Umwegen, gescheiterter Fährüberfahrt, Chili, Campingabenteuern, kleinen Orientierungsproblemen, Tönchen, Wasser im Zelt.
Vor allem aber: Bauchschmerzen vom Lachen.
Fazit
Was bleibt von Camping 4.0?
Eine Tour, bei der nicht alles nach Plan lief. Und genau deshalb eigentlich alles richtig war.
- Wir hatten Regen.
- Wir hatten Sonne.
- Wir hatten Schotter.
- Natürlich hatten wir Schotter.
- Wir hatten Chili statt Semmeln.
- Zelte mit eingebauter Bewässerung.
- Kaffee aus der gequälten Mühle.
- Tönchen nach Chili.
- Ein Rotlichtzelt.
- Einen Ouzo-Staubsauger.
- Ein Bierfass.
- Ein Feuerwerk.
- Eine vergessene Marshall-Regel.
- Eine ausgefallene Fähre.
- Einen Wunderheiler.
- Tschechische Ortsnamen, die uns sprachlich an unsere Grenzen brachten.
Und jede Menge Situationen, bei denen man sich hinterher fragt: „Wie konnte das eigentlich passieren?“
Die Antwort ist einfach: Wir waren dabei. Und vielleicht ist genau das der Sinn einer solchen Motorradtour.
- Nicht die perfekte Strecke zählt.
- Nicht das perfekte Wetter.
- Nicht der perfekte Plan.
Sondern die Geschichten, die danach noch jahrelang erzählt werden. Und davon haben wir diesmal definitiv wieder reichlich gesammelt.
Denn am Ende zählen nicht die Kilometer auf dem Tacho.
- Es zählen die Erlebnisse.
- Die gemeinsamen Lachanfälle.
- Die kleinen Katastrophen.
- Die großen Heldentaten.
- Und natürlich: der Schotter.
In diesem Sinne: Bis zur nächsten Tour!
Vielen Dank an Armin und Ecki für unvergessliche Tage.
Und Ecki: Wir freuen uns schon auf die nächste schotterfreie Tour. Also zumindest auf die ersten drei Kilometer davon
Bericht verfasst von Gudy und Jule (die beide an der Technik fast zu scheitern drohten)
