Die Anfahrt – Marcus alias “Rainman”
Marcus wurde vor geraumer Zeit den Alias “Rainman” vergeben. Das bleibt wohl haften. Und wenn man es sich mit dem Universum morgens dann auch noch verscherzt, in dem man den Satz ausspricht “wer mit mir fährt wird nass”, dann kriegt man es mit dem Universum auch ganz praktisch zu tun. Es war schon immer ratsam seine Worte mit Bedacht zu wählen. Und genau so, wie ausgesprochen, wird die Anfahrt in den Vinschgau auch: Ziemlich nass. Nein, nicht nur nass, es schüttet durchgehend wie aus Kübeln. Auch die teuerste Kombi hält nach 7 Stunden dann nicht mehr, was sie einst versprochen hat und leitet das kühle Nass bis dahin, wo man sie gar nicht haben mag: Gaaaanz weit hinein. Beim Mittag heißt es alles ausziehen und am besten vor dem Lokal deponieren. Das blöde ist nur, nach dem lecker Essen muss man da wieder rein…Igitt…
Sooo schade um die schönen Strecken die mit so viel Bedacht geplant wurden. Bei “Kübelregen” sieht man kaum noch Landschaft, man guckt, dass man durchkommt. Es trieft von überall, von der Hose in die Stiefel, vom Helm in den Nacken, vom Ärmel in die Handschuhe… Beim Faust machen läuft die Soße im Strahl aus dem Handschuh. Aber wir wären keine echten Biker, wenn wir, egal wie nass wir werden, nicht noch ein Lächeln auf den Backen hätten. Trotzdem freuen wir uns wie Bolle, endlich in Naturns bei Werner anzukommen.
Tag 2: “Durmelspaß”: Die schwersten und die schönsten an einem Tag

Über 300 km anspruchsvolle Strecken stehen heute auf dem Plan. Gleich als Erstes und um richtig warm zu werden, starten wir mit dem Stilfser Joch. Die Pulks von Radfahrern, die sich auch gerade auf den Weg gemacht haben, “versägen” wir noch ziemlich am Anfang, sodass der Rest vom Pass nicht mehr ganz so voll ist. Rauf den Pass! Kurve – Kehre – Gas geben – runterschalten – Kehre – hochschalten – ausweichen – runterschalten – Kehre … Oben machen wir Halt an der Tibethütte für FKK – Fotos, Kekse, Klo.
Stilfser runter, Torri di Fraele hoch. Haarnadelkurven haben es manchmal in sich, stellen wir fest … Ganz oben fahren wir noch ein Stück offroad und genießen die Sicht auf die Staumauer. Der folgende Passo Foscagno ist wunderschön, aber der kleine, unbekannte Mortirolo, noch viel mehr. Idylle pur. Sogar die Nichtromantiker sind ganz verzückt, wenn wir mittags auf der Alm, im saftigen Grün, rasten. Er läuft dem Passo Rest den Rang ab, da sind wir uns einig. Weil es immer noch nicht genug ist, geht’s mit dem Gavia weiter. Wir fahren ihn bergseitig hoch, sodass uns vom Abhang wenigstens 2 m Asphalt trennen. Gut für die “Höhenängstler”. Gerade mal eine Autobreite iss’er eng, dafür inzwischen mit bestem Asphalt. Voll eingetaucht im Kurventaumel geht’s noch mal hoch zum Stilfser und den Umbrail wieder runter. Zurück in Naturns ist’s einem ganz “durmelig wohl” im Kopf und überall, wo’s gut tut. Zufriedene Gesichter steigen von den Mopeds. Nur die Frisur hat nicht gehalten. Sch….. egal, beschließen wir!
Man munkelt, dass an diesem Abend welche brotfertig ins Bett fallen werden.
Tag 3: Aktiv pausieren
Nach dem anspruchsvollen Kurvenmarathon am Vortag, wollen sich an diesem Tag einige von uns erholen und eine Fahrpause einlegen. Die Nichtpausierer machen sich entschieden schnell mit Alternativ-Guide auf, um ihren Kurvendurst dennoch zu befriedigen. Andere entscheiden sich für eine kurze Runde.
Und so fliegen sie nach dem Frühstück alle aus. Auf dem Meraner Markt gibt’s allerlei Leckereien und im Städtchen viel zum Shoppen.
Beim Wandern auf dem aussichtsreichen Meraner Höhenweg, überwinden zwei ihre Höhenangst und treten im Entenmarsch auf die Plattform, als hätten sie Windeln an. Übungsplattform sozusagen, denn die Highline-Tour kommt noch. Ziel fest vor Augen, es dann zu schaffen. Später trifft man sich mit Getränken am Pool, oder später, alle wieder beim Abendessen im Städtchen. Letzten Endes kommen an diesem Tag alle doch noch auf ihre Kosten und auch dieser Tag endet, für die meisten, mit Zufriedenheit.
Tag 4: Bozen-Tour mit Übungseinlage zum Start
An diesem Morgen denkt das Navi wohl gerade, dass es Zeit wäre für eine kleine Fortgeschrittenen-Übungseinlage.
Von der Hauptstraße runter, führt es uns auf einen kleinen Weg durch die Weinberge. Das Sträßchen steigt langsam an und geht in Richtung Waldkante. Es wird steil und schließlich unangenehm grenzwertig steil … so sehr, dass wir hoffen, dass wir nicht anhalten müssen. Von oben kommt uns aber just ein Fahrzeug entgegen … wir müssen unausweichlich an dieser kaum überwindbaren Steigung anhalten … es wird brenzlig … Auf dem Asphalt liegt Sand … die Bremse hält gerade so, die Motorräder rutschen rückwärts … die Berg-Anfahrhilfe der GS “versagt” … Die Sozias steigen schnell ab … Der kalte Schweiß perlt auf der Stirn … Ruhig Blut … Irgendwie schaffen wir es nacheinander anzufahren und oben über die Kuppe … aber es geht auf der anderen Seite genauso steil wieder herunter und endet in einer Baustelle
… keine Chance umzudrehen … viel zu steil, um überhaupt daran zu denken … Unten: Schotter/Sand … Es führt kein Weg daran vorbei, wir müssen da runter und irgendwie umdrehen. Mit hochrotem Kopf wird rangiert und gewendet, die Steine rollen einem unter den Füßen weg … Dann Anfahren in Schotter und Sand und mit Schwung und Drift die Asphaltkante erreichen … Adrenalin … Puls … PAUSE. Durchatmen. Helm runter. Herzschlag verlangsamen. Abklatschen. Wir haben es schadensfrei geschafft! Trainingseinheit absolviert und Soll für heute hoffentlich erfüllt. Leider bescheren uns Navis manchmal solche Irrfahrten, egal wie gut der Guide auch plant. Wenigsens ist die Sicht von hier oben beeindruckend.

Der Rest des Tages wird dafür umso entspannter! Mit dem Navi wieder versöhnt, schwingen wir um die Kurven um Bozen herum.
Terlan – Mölten – Jenesien – Ritten – Sarntal – Kalterer See – Mendelpass – Brezerjoch – Ultental – Naturns.
Die zwei “Säulen-Polizisten”, die sich rechts und links in einer Kurve am Mendelpass aufgestellt haben, haben heute mit uns kein Glück und können die Kelle unten lassen. Die Community hat uns schon längst beim Entgegenkommen, mit Helmklopfen, auf die 2 Geldeintreiber aufmerksam gemacht. Auch mit einer Geschwindigkeit unter der Strafbarkeitsgrenze genießen wir diesen schwungvollen Pass, behalten alle unsere Pappe, grinsen zufrieden und danken der Community für den Zusammenhalt.
Zu Mittag finden Südtiroler Kaspressknödel, auf einer schönen Alm im Hinterland, ganz ohne Navi, den Weg auf den Teller. Die Alm liegt Idyllisch schön, inmitten von saftig grünen Wiesen. Super ausgesucht, mal wieder.
Tag 5: Heimfahrt – Weil´s sein muss

Wie eine Heimfahrt eben ist. Man verlässt den Urlaubsort ungern, hat keine Lust auf die Arbeit am nächsten Tag (für die, die müssen). Aber nach der Tour, ist vor der Tour. Der Reschenpass ist diesmal sonnig und wir machen ein Vorher-Nachher-Bild, im Vergleich zur nassen Anfahrt. Mittags halten wir, ohne näher darüber nachzudenken, in Lech an, weswegen wir uns nur die Tagessuppe leisten wollen – sollen sie ihr Geld an anderen verdienen. Die Pausen werden genutzt um mit Gymnastik die Knochen zu sortieren und den nächsten Baum aufzusuchen. Auf der weiteren Fahrt umschiffen wir erfolgreich einige Gewitter, aber eines zieht dann doch über uns hinweg. Wie könnte es denn anderes sein, als dass das so endet, wie es begonnen hat: Mit Rainman wird man eben nass. Aber wir sind ja jetzt geübt, die 10 Minuten halten wir aus. Am “Bödele”, am Bodensee, strahlt auch schon wieder die Sonne über Wiesen und das Wasser. Der Weg ist bekanntlich das Ziel und auch von der Heimfahrt gibt’s was zum Mitnehmen, unter anderem auch Erinnerungen an 5 tolle Tage und Touren und an einen herzlichen Gastgeber Werner mit seiner attraktiven Bar.


Lieber Marcus, danke für die Planung von fünf abwechslungsreichen Tagen, mit unzähligen Kurven, Kehren und den Durmelspaß sowie allen, die dabei waren 🙂
Die CAT


